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Ausstellungsprojekt
Gratwanderung

Vom 28. Oktober bis zum 3. Dezember ist die Ausstellung „Gratwanderung“ in der Galerie St. Klara der Katholischen Jugendfürsorge in der Kapuzinergasse 11 in Regensburg zu sehen. In der Schau präsentieren Oberpfälzer Künstlerinnen und Künstler mit seelischen Krisenerfahrungen Bilder, Skulpturen, Objekte und Texte. Anschließend geht die Ausstellung für zwei Jahre auf Wanderschaft durch die Oberpfalz. Wer die Ausstellung besucht, erlebt spannungsgeladene Kunst im besonderen Raum der Galerie St. Klara. Dort, im ehemaligen Refektorium des Klarissenklosters, erlangen die Exponate besondere Ausstrahlungskraft.

 

 

Inklusiver Ansatz in der Kulturarbeit

 

„Für psychisch kranke Menschen ist Ausgrenzung eine der häufigsten Barrieren für die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft“, erklärt Bezirkstagspräsident Franz Löffler, „das Projekt ‚Gratwanderung‘ bietet eine Möglichkeit, diese Thematik auf besondere Art und Weise an die Öffentlichkeit heranzutragen, die der Bezirk Oberpfalz gerne unterstützt“, sagt Löffler. Der Bezirk sei zum einen für die psychiatrische Versorgung zuständig, zum anderen zähle die Förderung von Kunst und Kultur zu seinen Aufgaben. „Dieses Ausstellungsprojekt verbindet beide Bereiche und bringt damit den inklusiven Ansatz in die Kulturarbeit ein, was mich sehr freut“, so Löffler. Bei der Ausstellungseröffnung konnte er leider nicht dabei sein, was er sehr bedauerte. Die Psychiatriekoordinatorin des Bezirks Oberpfalz, Anna Magin, vertrat den Bezirkstagspräsidenten und stellte am Beginn der Vernissage die für den Bezirk wichtigen Aspekte des künstlerischen Wettbewerbs zur Ausstellung heraus. Sie begrüßte die über 200 Gäste herzlich.

 

 

Kreative Schaffenskraft

 

KJF-Direktor Michael Eibl betonte in seiner Begrüßungsrede bei der Vernissage in der Galerie St. Klara: „Ich bin begeistert über die enorme Kreativität, die uns in den Exponaten der Ausstellung ‚Gratwanderung‘ begegnet. Unser Verständnis von Kunst ist offen und unvoreingenommen. Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass kreative Schaffenskraft keine Behinderung kennt. Deshalb passt die Ausstellung ‚Gratwanderung‘ auch so gut hierher und zum Anliegen der KJF, Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen.“

 

Erfahrene Kunstfachleute aus der Region, der Katholischen Jugendfürsorge und dem Bezirk Oberpfalz hatten die 40 eingereichten Werke juriert. Die Künstlerinnen und Künstler leben in der Oberpfalz oder sind hier geboren. Sie haben Erfahrungen mit schweren seelischen Krisen. Die Ausstellenden sind teilweise professionell künstlerisch tätig, teilweise malen, zeichnen, schreiben sie nur für sich oder einen kleinen Adressatenkreis.

 

 

Menschliche Krisen und künstlerisches Schaffen stehen oft im Zusammenhang

 

Klaus Nuißl aus dem Vorstand von „Irren ist menschlich“ e.V. führte in das Ausstellungsprojekt ein. Er machte deutlich: „Menschliche Krisen und künstlerisches Schaffen stehen oft im Zusammenhang.“ Viele Menschen mit Krisenerfahrung seien durch ihre erhöhte Sensibilität der Fülle der täglichen Erlebnisse und Informationen noch intensiver ausgesetzt als Menschen mit der sprichwörtlichen „Elefantenhaut“. So viele Eindrücke brauchten Ausdruck und könnten auf diese Weise einerseits zur Überwindung der Krise beitragen, andererseits ermöglichten sie oft auch erst das schöpferische Werk. Das führe zu einer Gratwanderung zwischen den Welten und zu vielen Fragen: „Was ist normal, was verrückt? Ist künstlerisches Schaffen erstrebenswert, wenn es mit so viel Anstrengung, ja sogar Leiden verbunden ist? Ist ohne Grenzgänge und ohne Krisenerfahrung Kunst überhaupt möglich? Wie geht die Gesellschaft damit um?“, alle diese Fragen begleiten das Ausstellungsprojekt „Gratwanderung“.

 

 

Unverzichtbaren Bestandteil des psychosozialen Systems der Oberpfalz

 

Martina Heland-Gräf aus dem Landesverband für Psychiatrie-Erfahrene Bayern (BayPE) gratulierte dem Verein „Irren ist menschlich“ zum 20-jährigen Jubiläum. Sie und Klaus Nuißl dankten dem ehemaligen und langjährigen Vorstandsmitglied von „Irren ist menschlich“ Inge Anna Bergmann für ihr herausragendes Engagement. Sie habe für das Fortbestehen des Vereins auch in schwierigen Zeiten gesorgt. So sei dieser im Laufe der 20 Jahre seines Bestehens zu einem unverzichtbaren Bestandteil des psychosozialen Systems der Oberpfalz geworden. Einerseits ist er Anlaufstelle und Unterstützer für Menschen mit Psychiatrieerfahrung, andererseits ist er wichtiger (Gesprächs)-Partner des Bezirks Oberpfalz und der medbo, der als organsierte Selbsthilfe die Perspektive der Betroffenen vertritt und dem Bezirk hilft, die Versorgung immer weiter zu verbessern.

 

 

Auszeichnung der Preisträgerinnen und Preisträger

 

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Wettbewerbs wurden bei der Vernissage am 27. Oktober in der Galerie St. Klara ausgezeichnet. Insgesamt gab es Preisgelder in Höhe von 1.200 Euro. Vertreten sind die Kategorien Malerei, Grafik, Fotografie, Plastik und Objekt. Die meisten Werke sind verkäuflich. Den 1. Preis, dotiert mit 500 Euro, erhielt Tone Schmid für das Werk: „DEEP-pression“. Drei 2. Preise, dotiert mit jeweils 200 Euro, gingen an HOPE (Pseudonym) für „kein normaler Stuhl“, an Johannes Frank für „Der verwundete Schamane“ sowie an H. Burden (Pseudonym) für das Werk „In anderen Sphären“. Eingereicht wurden außerdem literarische Werke von fünf schriftstellerisch Tätigen. Monika Schüßler wurde ein Sonderpreis, dotiert mit 100 Euro, in der Kategorie „Literatur“ für ihren Text „Zerreißprobe“ verliehen.

 

(07.11.2017)

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